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  15.11.2010
15.11.2010





Gemische Aufwendungen bei Reisekosten

Insbesondere bei Informationszwecken dienenden Auslandsfachkongressen ist es oft schwierig, ein – für die sachgerechte steuerliche Beurteilung erforderliches – eindeutiges Bild über deren betriebliche Veranlassung zu erhalten. Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs waren solche Reisen für den Betriebsausgabenabzug stets als Einheit zu beurteilen und damit im Regelfall steuerlich nicht zu berücksichtigen. Nun hat der Bundesfinanzhof diese Rechtsprechung zur Beurteilung gemischt (beruflich und privat) veranlasster Aufwendungen grundlegend geändert und Aufwendungen für gemischt veranlasste Reisen in größerem Umfang als bisher zum Abzug als Betriebsausgaben zugelassen.
 
Die Bedeutung dieser Entscheidung geht weit über den Einzelfall und die Fallgruppe Auslandsreisen hinaus. Vielmehr hat der Bundesfinanzhof mit diesem Beschluss entschieden, dass kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot für solche Aufwendungen gilt, wenn sowohl betrieblich als auch privat veranlasste Teile (gemischte Aufwendungen) enthalten sind. Gemischte Aufwendungen dürfen daher nun grundsätzlich in abziehbare Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung aufgeteilt werden. Eine Aufteilung der Aufwendungen kommt aber nur in Betracht, wenn der Steuerpflichtige die betriebliche Veranlassung im Einzelnen umfassend dargelegt und nachgewiesen hat.
 
Die Aufteilung gemischt veranlasster Aufwendungen hat nach einem an objektiven Kriterien orientierten Maßstab zu erfolgen. Ist eine verlässliche Aufteilung nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich, erfolgt die Aufteilung im Wege einer Schätzung. Es ist ein geeigneter, den Verhältnissen im Einzelfall gerecht werdender Aufteilungsmaßstab zu finden. Der Maßstab muss nach außen hin nach erkennbaren und nachvollziehbaren Kriterien ermittelt und hinsichtlich des ihm zugrunde liegenden Veranlassungsbeitrags dokumentiert werden.  Fehlt es an einer geeigneten Schätzungsgrundlage oder sind die Veranlassungsbeiträge nicht trennbar, gelten die Aufwendungen als insgesamt privat veranlasst. Damit scheidet eine Aufteilung aus, wenn die betrieblichen und privaten Veranlassungsbeiträge so ineinander greifen, dass eine Trennung nicht möglich und eine Grundlage für die Schätzung nicht erkennbar ist. Ein Abzug der Aufwendungen kommt dann insgesamt nicht in Betracht.
 
Eine Kostenaufteilung erübrigt sich, wenn die private oder die berufliche Veranlassung von untergeordneter Bedeutung ist . Dies ist der Fall wenn: 
  • Bei einer untergeordneten privaten Mitveranlassung (< 10%) sind die Aufwendungen in vollem Umfang als Betriebsausgaben abziehbar.
  • Bei einer untergeordneten betrieblichen Mitveranlassung (< 10%) sind die Aufwendungen in vollem Umfang nicht als Betriebsausgaben abziehbar.

Achten Sie daher darauf geeignete Unterlagen aufzubewahren, die es ermöglichen eine Aufteilung darzulegen. Hierzu zählen z. B. Einladungen. Tagesordnungen, Inhaltsverzeichnisse, Ablaufpläne etc.
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